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An die
MO Medien Verlag GmbH
Schrempfstraße 8
70597 Stuttgart
Kirchham, den 7. März 2013
Offener Brief zum
Artikel „NCR Ducati TT2“ in der MO-Sonderausgabe
„Motorräder aus Italien - Frühjahr2013“
Sehr
geehrte Damen und Herren,
liebes MO-Team,
in der letzten MO-Sonderausgabe „Motorräder in Italien“
erschien der Artikel „NCR-Ducati TT2“, in dem die
angeblich originale NCR-Werksrennmaschine von Jörg
Laibacher vorgestellt wurde. Anhand dieses Schreibens
soll Ihnen detailliert aufgezeigt werden, dass es sich
bei dem gezeigten Motorrad unter keinen Umständen um
eine originale Werksmaschine handeln kann.
Bezug nehmend auf die Textpassagen „Da unzählige Nach-
und Eigenbauten im Umlauf sind, ist ein Blick auf eine
originale NCR-Werksmaschine selten“ und „Etliche
Replikas sind im Umlauf. Originale NCR-TT2 sind auch für
Kenner nicht einfach zu identifizieren“ ist folgendes
zur dargestellten Maschine anzumerken:
- Bei den Begriffen NCR und (Ducati-) Werksmaschine muss
ganz klar differenziert werden. Die Tuningschmiede NCR
arbeitete zur damaligen Zeit tatsächlich sehr eng mit
dem Werk zusammen. Die sog. Werksrennmaschinen aus der
Werksrennabteilung wurden jedoch von Ducati aufgebaut
und auch unter der Werksbezeichnung eingesetzt, die
Production-Racer bzw. Semi-Werksrennmaschinen für die
Kundschaft wurden vom Ducati-Werk selbst vertrieben und
nicht von NCR. Nach meinen Recherchen wurden die
Maschinen zwar überwiegend bei der Fa. NCR montiert, der
Verkauf lief jedoch über das Ducati-Werk und somit kann
hier keinesfalls von einer NCR-Werks-Ducati die Rede
sein. Von den Production-TT-Racern aus dem Hause Ducati
gab es insgesamt nur 3 Serien: Die 1. und 2. Serie mit
600 ccm TT2 Maschinen in 1982 und 1983 und die 3. Serie
mit 750 ccm TT1 Maschinen in 1984. Jede Serie umfasste
etwa 20 bis 30 Stück, die genauen Stückzahlen sind sogar
in Expertenkreisen umstritten. NCR fertigte natürlich
auf Kundenwunsch selbständig unter eigenen Namen weitere
Renner auf Basis des TT2 Rahmens, diese Maschinen haben
jedoch absolut nichts mit den Werks- oder
Production-Racern zu tun. Die Aussage „Wie Kenner der
Szene erstens wissen, baute NCR von den TT2-Rennern
lediglich etwa 25 Maschinen...“ ist somit absolut falsch
und irreführend, vgl. auch
http://www.pantah.eu/sites/geschichte/tt-story.htm .
- Das abgebildete Motorgehäuse mit Zylindern und Köpfen
stammt keinesfalls aus einer Production-TT2 von 1982
oder 1983. Die ersten schwarz lackierten Triebwerke
wurden erst ab den 1985er-Modellen verbaut.
- Bei der abgebildeten Trockenkupplung handelt es sich
auch nicht um eine sog. „NCR-Kupplung“ sondern um eine
ganz normale Serien-Trockenkupplung von Ducati die erst
ab 1985 verbaut wurde.
- An den Production-Maschinen wurden vorne nur 16/18 und
hinten 18-Zoll-Felgen verbaut, der Umbau auf
17-Zoll-Felgen hat erst viel später stattgefunden.
- Die abgebildete Aluschwinge wurde so an keiner
einzigen 600er TT2 verbaut, es wurden ausschließlich
Stahlschwingen verwendet. Diese von Verlicchi gefertigte
Aluschwinge wurde später sehr häufig bei Umbauten
verwendet.
- An allen TT2-Production-Racern wurde eine mehrfach
verstellbare Magnesium-Gabel von Marzocchi mit 35 mm
Standrohrdurchmesser verbaut, niemals eine gewöhnliche
38er-Gabel.
- Vorne wurden immer 05er-Bremszangen von Brembo verbaut
und keine vom Typ 08.
- Falls es sich beim Rahmen um ein Originalteil von
Verlicchi handeln sollte, dann wurde dieser Rahmen auch
bereits abgeändert, zu erkennen an den beiden
nachträglich angeschweißten unteren Halterungen für die
Sitzbank. Interessant wäre eine vorhandene Rahmennummer,
hier wäre zumindest die Originalität des Rahmens
nachprüfbar.
- Weitere Teile die nachweislich nicht original sind:
Die Vergaser, das hintere Federbein, der
Ölauffangbehälter, Handbrems- und Kupplungspumpe,
Fußrasten mit Schalthebel und Sitzbank. Mehr Einzelteile
sind auf den Fotos leider nicht zu erkennen.
Es stellt sich nun die Frage, was an dieser Maschine
überhaupt von einer Production-TT2 stammen könnte, es
bleibt nicht mehr viel übrig. Der Tank alleine ist
sicherlich kein Nachweis für die Originalität des
Fahrzeugs, zur damaligen Zeit wurden nämlich sehr viele
Teile von Firmen und Privatleuten nachgebaut.
Die Ausführungen zur Bestätigung der Originalität durch
Rino Caracchi sind damit aufgrund der vorherigen
Ausführungen als sehr fragwürdig einzustufen.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass es sich bei der
Maschine von Jörg Laibacher in der aktuellen Ausführung
nachweisbar weder um eine Werksmaschine, noch um eine
Production-TT2 handeln kann.
Die erforderlichen Nachweise dafür sind in erster Linie
zu finden unter
www.ducati-tt.de ,
www.pantah.eu oder in den einzelnen Schriftwerken
von Ducati Bologna, der Autoren Alan Cathcart, Mick
Walker und Ian Falloon. Es bleiben auch noch die Artikel
in der MO Ausgabe 3/83 und in der Motorrad-Revue von
1983 zu erwähnen, in denen über originale
TT2-Production-Racer von Ducati berichtet wurde.
Nun gilt es natürlich zu hinterfragen, wer für die
vielen Falschangaben im Artikel verantwortlich ist. In
erster Linie wird dies wohl der Verfasser des Artikels
sein, Hermann Köpf. Wurde im vorliegenden Fall von Herrn
Köpf falsch recherchiert oder wurden ganz einfach die
Aussagen von Herrn Laibacher ohne genauere Prüfung
übernommen? Wurden etwa vorsätzlich falsche Angaben
gemacht, aus welchem Grund? Herr Laibacher ist seit
vielen Jahren Mitglied der TT-Szene und er kennt mit
Sicherheit den entsprechenden Inhalt zu Werks- und
Production-Racern auf der TT-Site unter
www.ducati-tt.de.
Natürlich ist es zu begrüßen, wenn es
Motorrad-Zeitschriften gibt, die sich der klassischen
Motorräder aus Italien intensiver annehmen. Die MO war
hier in der Vergangenheit immer eine der besten Adressen
in Deutschland, das ist sehr erfreulich. Tatsache bleibt
jedoch, dass der TT-Szene durch diesen Artikel
letztendlich Schaden zugefügt wurde. Wahrheit muss
Wahrheit bleiben und aus einem „bunten Hund“ lässt sich
nun mal aufgrund eines falschen Zeitungsartikels keine
Werksmaschine machen.
Wir sind fest davon überzeugt, dass zur
Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit Ihrer Zeitschrift
eine Richtigstellung unumgänglich ist. Der Leser muss
erfahren, dass die Angaben im besagten Artikel nicht
zutreffend sind. Im Prinzip ist es sein gutes Recht, für
das er auch bezahlt hat.
Die Website www.ducati-tt.de stellt ein Sammelwerk an
Informationen über TT-Ducatis von Fans aus der ganzen
Welt dar. Das ganze Material wurde über viele Jahre
mühevoll zusammengetragen. Mit den TTs wurden insgesamt
vier Weltmeisterschaften der TouristTrophy, Siege bei
etlichen Langstreckenrennen und viele nationale
Meisterschaften errungen. Wir sehen es als unsere
Pflicht an, dieses wunderbare Erbe von Dr. Fabio
Taglioni in seiner ganzen Wahrheit und Geschichte zu
erhalten.
Mit desmodromischen Grüßen
Rudolf Wasner, 94148 Kirchham, Tel. xxxx,
info@ducati-tt.de
Betreiber der Websites
www.ducati-tt.de und
www.pantah.eu
Werner Kaiser, 92274 Gebenbach, Tel. xxxx,
weka@gmx.de
Inhaber WEKA-RACING und „TT-Fahrer der ersten Stunde“
Verteiler:
TT2-Interessengemeinschaft Deutschland
Pantah-Interessengemeinschaft Deutschland
Organisations-Team US Ducati TT
Symposium
Organisations-Team Ducati TT Symposium UK
MOTALIA
Ducati Club München
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>>>Die Antwort von Jochen
Soppa vom 13.03.2013:
Sehr geehrter Herr Wasner,
die von Ihnen kritisierte Geschichte in „Motorräder aus
Italien“ ist klar ersichtlich als vom Autor (Text und
Bilder aus einer Hand) persönlich gefärbte Impression
gehalten. Für die Historiker-Fraktion hätten wir auf
zeitgenössisches Bildmaterial, eine ganz andere
Bildsprache und einen ganz anderen Text zurückgegriffen.
Dass es keine originale Ducati-Werksmaschine ist, sieht
jeder. Der Fan und Liebhaber darf in so einem Fall von
Begeisterung getragen gerne von seiner
„NCR-Werksmaschine“ sprechen. Zumal das Motorrad eine
echte Rennhistorie zu haben scheint. Die Unwägbarkeiten
rund um das Thema „Original und aus einem alten Ölfleck
restauriertes Original“ wurden im Text ja hinreichend
angesprochen. Ein Thema übrigens, dass generell die
Szene historischer Rennmaschinen betrifft und inzwischen
ein ziemlich alter Hut ist. Wer heute kauft, weiß, dass
er auf schwankenden Balken wandelt und entweder mit
größtem Sachverstand eingehend prüfen oder mit höchstem
Risiko vertrauen muss. Die Perlen sind allenthalben
schon lange in fester Hand.
Mir war es bei dieser Story wichtig, dass in diesem
MO-Sonderheft das Lebensgefühl und vor allem die Freude
an italienischen Motorrädern transportiert werden. Eine
Freude, zu der Sie als an Fakten orientierter Sammler
sicher einen anderen Zugang haben als Herr Laibacher.
In der Hoffnung, dass Sie an unserem Sonderheft dennoch
auch ein wenig Freude hatten grüßt herzlich
Jo Soppa
MO Medien Verlag GmbH
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>>>Meine Antwort vom
06.04.2013:
Sehr geehrter Herr Soppa,
nachdem ich Ihre Nachricht gelesen habe bin ich sehr
enttäuscht. Der erste Eindruck den der Artikel über die
Maschine von Jörg Laibacher dem Leser vermittelt zielt
ganz klar auf eine TT2 Werksmaschine aus dem Hause
Ducati ab, das wurde mir inzwischen vielfach bestätigt.
Nachdem sich nun herausgestellt hat, dass es sich
lediglich um eine Auftragsmaschine der Firma NCR handelt
gibt es von Ihnen als verantwortlichen Chefredakteur
kein Wort der Entschuldigung oder die Einsicht einen
Fehler gemacht zu haben. Nicht einmal eine
Richtigstellung in der nächsten Ausgabe wird
angekündigt. Alles nun zu bagatellisieren und schön zu
reden ist kein guter Stil.
Hermann Köpf als Verantwortlicher für Text und Fotos hat
sich bereits entschuldigt und angekündigt, dass er bei
einer Richtigstellung gerne behilflich ist. So stelle
ich mir einen verantwortungsvollen und fairen Umgang mit
dem Leser vor.
Alleine die Tatsache, dass es sich im Artikel um eine
von Ihnen bezeichnete „persönlich gefärbte Impression“
handelt, rechtfertigt noch lange nicht die Geschichte zu
verfälschen oder Unwahrheiten zu verbreiten. Die
Behauptung, dass "Jeder" in der Lage sei zu erkennen,
dass es sich bei der abgebildeten Maschine um keine
originale Ducati-Werksmaschine handelt, kann wohl nicht
ernst gemeint sein.
Was haben Sie eigentlich mit echter Rennhistorie
gemeint? Jede Rennmaschine hat doch eine Historie und
der Einsatz in einer nationalen italienischen Klasse
stellt mit Sicherheit keine Besonderheit dar.
Nachdem nun bestätigt wurde, dass es sich nicht um eine
Werksmaschine von Ducati handelt, sollte das auch durch
eine Richtigstellung in der nächsten Ausgabe publiziert
werden. Ich erwarte dazu folgende Ausführungen:
- Die Verwendung der Bezeichnung „Werksmaschine“ ist in
dieser Form nicht zulässig, das ist nur dem Ducati-Werk
selbst vorbehalten. In der Einleitung des Artikels, d.h.
in der Überschrift und dem Vorspann, welche die
Kernaussagen darstellen, wurde ein falscher Eindruck
vermittelt. Man darf im Zusammenhang mit der gezeigten
Maschine als ursprünglich aufgebautes Projekt von NCR
niemals den Begriff „Werksmaschine“ verwenden,
Lackierung und Aufkleber zielen dabei auch noch ganz
klar auf eine echte Ducati Werksmaschine oder
Production-TT2 ab.
- Von der Firma NCR gab es keine Kleinserie von
identischen oder baugleichen 25 Stück TT2-Rennmaschinen.
Bei der vorliegenden Maschine handelt es sich nur um ein
Motorrad, das von der Firma NCR aus Bologna ursprünglich
individuell nach Kundenwunsch für den Einsatz in der
italienischen Meisterschaft aufgebaut wurde. Hier wie im
Artikel erwähnt von bestimmten Unterscheidungsmerkmalen
zu sprechen ist ganz einfach falsch. Die gezeigte
Maschine entspricht ohnehin nicht mehr dem
ursprünglichen Zustand und wurde mittlerweile erheblich
mit nicht zeitgenössischen Teilen umgebaut.
Herausgeber von Motorradmagazinen sollten sich immer
bewusst sein, dass sie mit ihren Veröffentlichungen
wesentlich zur Meinungsbildung beitragen. Das Fatale
daran ist, dass die veröffentlichten Artikel, auch wenn
sie fehlerhaft sind, mit der Zeit einen echten
Wahrheitscharakter bekommen. Hier sollte gerade ein
Verlag in ihrer Größenordnung peinlich genau darauf
achten, dass sorgfältig recherchiert wird und nur
Berichte veröffentlicht werden, die den Tatsachen
entsprechen. Letztendlich wird damit auch zum Erhalt der
Geschichte beigetragen.
Missbrauch muss bekämpft werden, sonst wird mit der Zeit
alles unglaubwürdig. Wie Sie wissen wird die Zahl der
Zeitgenossen immer größer, die durch teilweise
kriminelles Handeln nach Belieben lügen und betrügen, um
letztendlich den Wert der Maschine zu steigern oder das
Ansehen in der Szene zu erhöhen. Man darf diesem Treiben
durch nachlässige Recherchen und oberflächlichen bzw.
leichtfertigen Umgang mit der Historie nicht Tür und Tor
öffnen. Werner Kaiser hat es treffend formuliert: „Ja da
hat der Soppa schon recht, die Perlen sind schon alle
weg, doch muss man auf diesem Wege neue Perlen
züchten?“.
Darüber hinaus ist bei diversen Artikeln zu beobachten,
dass einzelne Personen in einer Art und Weise
präsentiert werden, die sie gegenüber dem Rest der Szene
völlig überhöht darstellt. Das tut der Sache auch nicht
gut.
Als Freunde von italienischen Motorrädern sollten wir
gemeinsam an einem Strang ziehen. Nach einer ehrlichen
Richtigstellung in der nächsten Ausgabe wäre für mich
die TT-Welt dann auch wieder in Ordnung.
Den Vorschlag von Hermann Köpf zu einer
Sonder-/Fotostory zum Ducati TT2-Symposium von 9. bis
11. August im Donnington Park (GB) kann ich nur
begrüßen, dann aber bitte keinen Bericht mehr zu einer
„Ducati NCR TT2 Werksmaschine“. Mit dem Wunsch nach
endlich schönem Bikerwetter und einer unfallfreien
Saison verbleibe ich
mit besten Grüßen
Rudi Wasner
info@ducati-tt.de
www.ducati-tt.de
www.pantah.eu |
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